Tesla Cybercab: Kein Fahrer. Keine Verantwortung?
RG
Seit Anfang September fahren in Austin, Texas die ersten Tesla Cybercabs. Ohne Lenkrad und ohne Pedale. An Bord sitzt kein Fahrer mehr, in keiner einzigen Fahrt steckt noch eine menschliche Arbeitsstunde, und die US-Verkehrsaufsicht hat trotzdem innerhalb weniger Tage eine Untersuchung eröffnet.
An wen richtet sich diese Untersuchung wohl? Hinterm Steuer sitzt ja niemand. Also an Tesla, denn mit dem Fahrer verschwindet keine Verantwortung aus dem Auto, sie zieht nur um: vom Menschen am Lenkrad zu der Firma, die die Lösung gebaut hat. Nach den Ingenieursstunden in der Software fragt die Aufsicht dabei übrigens mit keinem Wort, sie will von Tesla nur wissen, ob der Konzern dafür geradesteht, dass das Ding sicher ankommt.
Eine Cybercab-Fahrt enthält also null Arbeitsstunden, kosten wird sie trotzdem etwas. Wenn die Stunden auf null fallen und der Preis nicht, dann hat der Preis noch nie die Stunden bezahlt. Der Fahrgast kauft das Ergebnis, sicher von A nach B, und dahinter die Zusage eines Konzerns, der für dieses Ergebnis haftet.
Bei Deinen KI-Projekten läuft dieselbe Verschiebung, nur redet kaum jemand darüber. Du baust mit KI eine Lösung in einem Viertel der Zeit von früher, und nach Stundenlogik wäre sie damit nur noch ein Viertel wert. Deine Verantwortung dahinter ist aber gewachsen: Du stehst dafür gerade, dass das System korrekte Entscheidungen trifft, keine Kundendaten erfindet und auch dann noch sauber läuft, wenn Du längst am nächsten Projekt sitzt. Auf Deinem Stundenzettel taucht diese Verantwortung nirgends auf, denn ein Stundenzettel dokumentiert Anwesenheit, und ob es hinterher funktioniert, steht da an keiner Stelle.
Wer Verantwortung für seine Lösung übernimmt, muss nach Wert abrechnen. Stunden geben das halt nicht her.
Andersherum wird daraus ein Schuh, der wehtut: Wer nach Stunden abrechnet, teilt seinem Kunden stillschweigend mit, dass er für das Ergebnis nicht einsteht. Die Einkäufer haben das längst verstanden, deshalb behandeln sie Stundensätze wie eine Ware und drücken den Preis. Übernommene Verantwortung lässt sich dagegen schlecht vergleichen, und deshalb hat sie ihren Preis. Meine Kunden verkaufen deshalb Ergebnisse zum Festpreis mit klar umrissener Verantwortung, und dieser Preis liegt beim Mehrfachen der alten Stundenkalkulation, weil er etwas enthält, das im Stundensatz nie drin war.
Zum Schluss eine Behauptung zum Dagegenhalten: Ein Stundensatz ist eine versteckte Haftungsbegrenzung. Wer nach Aufwand abrechnet, sagt damit, für das Ergebnis stehe ich nicht ein, und die meisten sagen es, ohne es zu merken. Wenn Du nach Stunden abrechnest und trotzdem die volle Verantwortung für Deine Lösungen trägst, erzähl mir in den Kommentaren, wie Dein Kunde Dir das vergütet. Ich vermute nämlich: gar nicht.
